Wir haben unser Investment in den Kieler Spezialisten für Meeresboden-Daten aufgestockt. Die Gründe: north.io wächst nach einer Änderung des Geschäftsmodell gerade deutlich – und spielt zugleich eine immer größere Rolle beim Schutz der kritischen Infrastruktur unseres Landes.
Hier unsere Gedanken dazu, warum wir den Schutz der kritischen Infrastruktur wichtig finden und was das mit unserem Kernthema Nachhaltigkeit zu tun hat.
VAERING investiert in Unternehmen, die gesellschaftlichen Nutzen schaffen und nachhaltig wirken. Welche Rolle spielt Sicherheit dabei?
Für uns gehören Sicherheit – im Sinne von Resilienz und Verteidigung – und Nachhaltigkeit im Kern zusammen. Wir wollen, dass auch unsere Kinder in einer guten und sicheren Umgebung leben können. Zerstörung und Krieg sind das am wenigsten nachhaltige, das man sich vorstellen kann. Man sehe sich nur die Ukraine an.
Ganz abgesehen von dem großen Leid der Menschen: Es werden unglaubliche Mengen CO2 freigesetzt werden, wenn alles irgendwann wieder aufgebaut werden muss, allein über den Beton, der dort neu gegossen werden muss. Den Preis zahlen dafür wir alle, dann werden die Sommer noch heißer und die Flüsse noch trockener. Krieg und Zerstörung sind eine einzige Katastrophe für Nachhaltigkeit, und schon allein deshalb ist jegliche Art von Prävention und Sicherheit nachhaltig.
Welche Bereiche sind für VAERING dabei besonders interessant?
Für uns bedeutet Sicherheit vor allem Schutz der kritischen Infrastruktur, es kann auch Katastrophenschutz bedeuten. Dadurch entstehen für uns ganz neue Investitionsfelder. Und wenn sich sogar einige der Unternehmen, an denen wir schon beteiligt sind, in diese Richtung entwickeln, dann unterstützen wir das natürlich sehr gerne.
Wie jetzt bei north.io. VAERING hat vor kurzem die zweite Investmentrunde abgeschlossen, und das hat auch mit Entwicklungen des Unternehmens hin zu Dual Use zu tun.
Genau. Als wir uns dort 2024 beteiligt haben, war der Einsatz für den Sicherheits- und Verteidigungszweck eigentlich noch gar kein Thema. Vielleicht ganz am fernen Horizont, aber es war nicht wirklich Teil der Diskussion. Es ging vor allem darum, Unterwasser-Daten für zivile Einsatzzwecke zu nutzen: Pipelines, Offshore-Windanlagen. Maritime Baumaßnahmen, und das möglichst minimal-invasiv.
Das Geschäftsmodell von north.io war zunächst Software-as-a-Service: Man nehme die Software, die north.io über mehr als zehn Jahre lang entwickelt hatte, und setze sie auf eine Cloud. Dort kann jeder Kunde in seinem Mandanten seine Unterwasserdaten speichern, die er erhoben hat. Diese Daten sind sehr umfangreich, und mit den spezialisierten Verfahren von north.io kann man das Potenzial aus diesen Daten endlich nutzen.
Dieser Ansatz ist nach wie vor gut – aber wir haben im Laufe der Zeit gesehen: Es trifft nicht ganz den Bedarf vieler Kunden, mit denen north.io im Dialog ist und war.
Inwiefern?
Wir haben festgestellt, dass die Kunden ihre Daten nicht herausgeben, nicht auf eine Cloud legen wollen. Sie wollen zwar eine Datenmanagement-Lösung, wie north.io sie anbietet, aber direkt bei sich selbst, am liebsten im eigenen Rechenzentrum oder in ihrer eigenen Cloud, um die Daten immer vollständig unter Kontrolle zu haben. Das mag auch mit den Kosten zu tun, haben, die bei der Erhebung der Daten auflaufen.
Es wurde mit der Zeit immer deutlicher, dass north.io mit einem One-size-fits-all-Ansatz – also derselben Lösung für alle Kunden – nicht optimal aufgestellt ist. Vielmehr haben wir gemeinsam erkannt, dass wir sog. On-Premise- bzw. Enterprise-Lösungen anbieten müssen, bei denen die Kunden die Daten bei sich selbst speichern können. Diese werden dann durch die Datenmanagement-Lösung von north.io verwaltet.
Das klingt nach grundlegenden Veränderungen im Geschäftsmodell von north.io.
Ja, es ist eine deutliche Weiterentwicklung auf der Grundlage des Bedarfs der Kunden. Wir haben gemerkt: Wir sind nicht auf dem Weg, der die meisten Kunden glücklich macht, also müssen wir das Angebotsspektrum umbauen und erweitern. Das haben wir – north.io und VAERING – gemeinsam intensiv in mehreren Beiratssitzungen diskutiert. Als Konsequenz haben wir das Angebotsmodell entsprechend angepasst.
Das entspricht übrigens genau dem Anspruch, den wir als aktiver Mitgesellschafter haben: dabei helfen, solche Entscheidungen zu treffen, umzusetzen und zu begleiten. Mit unserer Kompetenz und Erfahrung ebenso wie mit frischem Kapital.
Weil solche Änderungen auch erstmal viel Geld kosten?
Genau, north.io muss ja das anstehende Wachstum bewältigen, und dafür haben wir kürzlich die notwendigen Mittel bereitgestellt. Zudem macht north.io gerade auch einen großen Schritt in Richtung Künstliche Intelligenz (AI), auch da braucht man in neue Mitarbeiter und muss in eine andere, sehr leistungsfähige Hardware investieren. Das haben wir jetzt auf den Weg gebracht.
Nochmal zum Thema Dual Use. Welchen konkreten Mehrwert hat die Neupositionierung von north.io für Sicherheit und Verteidigung?
Wenn die Kunden ihre Daten direkt auf ihren Schiffen prozessieren und nutzen, können sie damit die kritische Infrastruktur viel besser schützen – etwa, wenn sie Minen und andere Bedrohungen sofort erkennen und dann handeln können. Früher wären sie zurückfahren und hätten die Daten erst einmal an Land ausgewertet, das ist für viele Sicherheitsaspekte aber zu langsam. Mit den neuen Lösungen von north.io geht das jetzt viel schneller und professioneller. Und damit auch sicherer, weil die Infrastruktur jetzt gleich geschützt werden kann und nicht erst übermorgen.
Mit unsem Ergänzungs-Investment bei north.io tragen wir somit dazu bei, dass unser Land und unser aller Leben etwas sicherer wird, und das ist uns wichtig.

