Musik trifft Unternehmertum: Ein Besuch der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen bei VAERING
Besonderer Besuch beim Gesellschafter-Treffen von VAERING: Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen war zu Gast, mit einem Quartett und der jungen Sängerin Suzan Zahide vom Zukunftslabor haben sie ein berührendes Konzert gegeben. Und: einen Einblick in ihre Arbeit.
Ein Gespräch zwischen Albert Schmitt, Geschäftsführer der Kammerphilharmonie, und Moritz Koch über Mut und Verantwortung, eine herausragende Unternehmerin und viele gute Gründe, warum VAERING das Orchester fördert.
Musik und Unternehmertum: Das scheint für viele weit voneinander entfernt. Für Sie aber nicht, oder?
Albert Schmitt: Für uns ist Unternehmertum eine Haltung. Das hat etwas zu tun mit Werten – mit Initiativbereitschaft, Mut, Verantwortungsbereitschaft, Durchhaltevermögen. Das sind unternehmerische Tugenden, und genau diese haben und brauchen wir als Orchester. Wir sind ein eigentümergeführtes Unternehmen, das Orchester gehört den Musikern – und wir möchten alle zusammen unseren Beitrag dazu leisten, dass es vorangeht, dass wir nach vorne kommen.
Moritz Koch: Das passt natürlich richtig gut zu uns als Unternehmerfamilie. Ich kann es gar nicht gut haben, wenn man sich seinem Schicksal ergibt, wenn man sich von Fördertöpfen und Subventionen abhängig macht und sagt: Ja, was soll ich denn bloß tun? Der Tag hat 24 Stunden, ein paar Stunden davon muss man auch schlafen. Am Rest des Tages kann man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Man kann Leistung bringen, man kann Anspruch formulieren, man kann Leute auf seine Mission mitnehmen, sie begeistern, hinter sich bringen. Man kann ein gemeinsames Projekt starten. Das ist unternehmerisch. Das kann man in der Wirtschaft machen, das kann man in der Musik machen, das kann man in der Kunst machen – eigentlich überall. Und ich finde das toll, dass das hier in der Musik funktioniert. Deswegen finden wir auch dieses Orchester toll, weil die so ticken.
Dieser unternehmerische Ansatz ist in der Musik-Welt ja sehr außergewöhnlich. Wie kam es dazu?
Albert Schmitt: Das kam erstmal aus einer Notsituation. Wir waren Ende der 1990er Jahre überschuldet, wir wurden sehr gering öffentlich subventioniert – weil wir eine Neugründung waren in einer Zeit, in der der Markt gesättigt war. Wir haben dann nach Möglichkeiten gesucht, das als Chance zu begreifen. Wir haben uns auch mit Vorurteilen auseinandergesetzt: Die Wirtschaft, das sind die Bösen, und die Künstler sind die Guten. Wenn man aber genauer hinguckt: Was verbindet uns denn eigentlich? Dann kommt man eben auf Werte wie Initiativbereitschaft, Mut, Anspruch, Risikobereitschaft, Durchhaltevermögen. Und das sind im Grunde gemeinsame unternehmerische Tugenden.
Das Wichtigste aber ist die Freiheit. Wir sind als Unternehmer im Kern frei. Wir entscheiden, was wir als Nächstes machen, welches Projekt wir unterstützen, welches wir vom Markt nehmen.
Das Orchester und KAEFER bzw. die Familie, die hinter VAERING steht, kennen sich ja schon sehr lange. Wie kam es dazu?
Moritz Koch: Das kam durch Annelotte Koch, meine Großmutter. Sie hat, nachdem mein Großvater früh starb, lange Jahre die Geschicke des Unternehmens geleitet hat – als Frau in einer Männerdomäne. Und: Gerade in der Musik hat sie sich in vielerlei Hinsicht sehr stark engagiert und war dort bis zu ihrem Tod aktiv.
Albert Schmitt: Für uns war sie ein Glücksfall. Wir sind damals nach Bremen gekommen in eine Umgebung, in der es ein Traditionsorchester gab. Wir waren erstmal der Störenfried in dieser Situation. Annelotte Koch war diejenige, die dadurch, dass sie selbst regelmäßig bei den Festspielen in Salzburg war, sofort erkannt hat, auf welchem Niveau bei uns etwas passierte.
Und sie hat auch den unternehmerischen Ansatz mit forciert?
Albert Schmitt: Ja, sie war Musikliebhaberin und gleichzeitig Unternehmerin mit einer unfassbaren Disziplin. Das hat mich unglaublich beeindruckt, sie hat uns alle sehr geprägt, kann man sagen.
Moritz Koch: Ja, uns als Familie auch. “Living up to the standards” war eine Herausforderung, die meine Großmutter immer mit jedem verband. Sie hat das auch uns, ihren Enkeln gegenüber sehr deutlich gemacht und uns den Rücken gestärkt hat, dass wir alle mit einem Anspruch durchs Leben gehen.
Albert Schmitt: Dieses „Living up to the standards“, das war für uns so beglückend – weil das unser eigener Anspruch war. Und da jemanden zu haben, der in Resonanz damit getreten ist, aus der bürgerlichen Welt in Bremen, und der auch in der Lage war, uns auch finanziell zu unterstützen, das war für uns wirklich ein Glücksfall.
Die Kammerphilharmonie ist ein vielfach ausgezeichnetes Weltklasse-Orchester. Zugleich fördern Sie mit dem Zukunftslabor junge Menschen. Was ist Ihr Ansatz?
Albert Schmitt: Wir haben unseren Sitz in Bremen in einem Stadtteil mit besonderen Herausforderungen. Die unternehmerischen Tugenden und Werte werden von uns in diesen Stadtteil transportiert. Wir gehen gar nicht so sehr in den Stadtteil, um Musik zu machen, sondern um den Kindern und Jugendlichen ein Beispiel dafür zu geben, wie man mit so einer Haltung Chancen nutzt und daraus Ergebnisse machen kann. Wie sie ihr Leben in den Griff bekommen, wie sie ihr Leben verbessern können. Da sind viele, die sich durch diese Kooperation inspirieren lassen und ihre Chancen erkennen – und dann mit beiden Händen zupacken.
Moritz Koch: Man muss natürlich realistisch bleiben und sagen: Nicht jeder, der teilnimmt an den sozialen Aktivitäten, wird gleich zur Weltklasse. Das ist klar. Aber es geht darum, den Menschen, die dort in schwierigen Verhältnissen leben und aufwachsen, eine neue Perspektive zu geben. Und das ist die breitere Wirkung. Ich weiß gar nicht, wie viele hundert Menschen schon einen neuen Sinn in ihrem Leben gefunden haben, neue Kraft gefunden haben, morgens aufzustehen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, selbst ihre Zukunft zu gestalten – und sich nicht ihrem Schicksal zu ergeben. Das ist die breitere Wirkung, die dieses Programm entfaltet. Und genau diese Haltung und diese Wirkung spornt uns an, uns hier weiter und aktiv zu engagieren.

